Ich weiß nicht, ob Sie einen Zugang haben zur Welt der sozialen Medien. Facebook, Twitter, Instagram – klingelt da was bei Ihnen? Was mich betrifft, so habe ich schon vor Monaten einen kostenlosen Zugang für einen Online-Schulungskurs für soziale Medien bekommen. Vor ein paar Tagen wollte mich schon eine Mitarbeiterin der Akademie kontaktieren, um zu fragen, welche Erfahrungen ich mit dem Kurs gemacht habe. Leider musste ich ihr gestehen, dass ich den Kurs noch gar nicht angefangen habe, weil die weltweiten Netzwerke für mich noch weitgehend Neuland sind und ich persönlich einen weiten Anmarschweg habe, mir diese Welt zu erschließen.

Ein besonderer Hemmschuh für mich ist jedoch die Beobachtung, wie sich in sozialen Medien Meinungen bilden und inwiefern es dabei zu einer zunehmenden Polarisierung der Standpunkte kommt. Wissenschaftler aus mehreren Ländern haben sich nun zusammengeschlossen, um dieses Phänomen zu untersuchen. Sie wollen nachvollziehen, wie sich manche Minderheiten in der Öffentlichkeit Gehör verschaffen und welche Rolle dabei soziale Medien spielen.

Wir Menschen äußern uns ja eher, wenn wir Bestätigung erwarten können. Deshalb haben die Forscher in den sozialen Netzwerken eine Schweigespirale wahrgenommen, weil eine laute Minderheit, die sehr aktiv ist und geschlossen auftritt, die leise Mehrheit zum Schweigen bringt. - Wer laut schreit, hat noch lange nicht recht!

Und ich glaube auch, dass Lautstärke nicht die Lösung ist. Im Kalten Krieg gab es auch den lauten Krieg bis 1965. Lautsprecherwagen in Ost und West bedröhnten ganz Berlin. Vom Westen wurde das Morden an der Mauer herausgeschrien, der Osten konterte mit Parodien – bis es keiner mehr hören konnte. Wer laut schreit, wird noch lange nicht gehört!

Der Monatsspruch für Mai lautet: „Öffne deinen Mund für die Stummen, für das Recht aller Schwachen! (Sprüche 31,8) Wir müssen keine Lautsprecher sein und herumschreien, um den Stummen eine Stimme zu geben. Jesus selbst hatte alles Recht, das Unrecht an die große Glocke zu hängen, damit jeder davon hört. Seine Botschaft aber war, Gottes Liebe in Wort und Tat zu bezeugen. Liebe ist nicht laut, aber spürbar. Dem Kraftlosen macht sie Beine. Den Sprachlosen gibt sie ein Argument. Dem Rechtlosen hilft sie zur Würde. Dieses Wort und nicht die vielen Worte sind die Antwort auf die stummen Schreie unserer Zeit.

Wir Jesus-Leute werden wohl auf absehbare Zeit mehr und mehr zu einer Minderheit in unserer Gesellschaft. Aber wir müssen nicht laut herumschreien, um uns Gehör zu verschaffen. Wie der Schall eines Wortes durch die Luft weitergetragen wird, so wird sich das Evangelium in unseren Worten und Taten ausbreiten, bis sie auch den Schwächsten erreicht.

Herzliche Grüße,
Carsten Buhr