Nach den Schmetterlingen

In diesen Wochen läuten wieder öfters die Hochzeitsglocken. Wenn das Wetter mitspielt, dann soll ein schöner Sommertag mit Familie und Freunden der perfekte Start in das gemeinsame Glück sein.
Es wird ja immer noch geheiratet. Allen Unkenrufen zum Trotz. Die große Liebe ist immer noch das Ideal. Der Paartherapeut Wolfgang Hantel-Quitmann begründet das mit dem tiefen und festen Glauben der Menschen, auf der Suche zu sein nach der jeweils besseren Hälfte. Schon die Philosophen hätten die Menschen als Kugelmenschen gesehen, die einst getrennt wurden und nun auf der Suche seien nach der verlorenen Hälfte. Wir reden heute noch davon, dass zwei sich gesucht und gefunden haben. Und dann hat dieser Fachmann für Beziehungen noch eine interessante Begründung geliefert, warum wir zumindest in der westlichen Welt dem Ideal der großen Liebe hinterherlaufen:
Seit der Aufklärung im 18. Jahrhundert habe es einen großen Wandel im Denken der Menschen gegeben: An die Stelle des Gottesglaubens sei der Glaube an die große Liebe getreten. Deshalb würden sehr viele Menschen lieber ihren Partner verlassen als ihr Liebesideal.

In der katholischen Tagespost las ich einen netten Artikel, überschrieben mit „Betriebsanleitung für die Ehe“. Die Autorin brachte es auf den Punkt: „Die Ehe ist wie ein Schatz ohne Schatzkarte. Wir brauchen eine Anleitung und Vorbilder, um nicht im Dunkeln zu tappen. Und wir brauchen das Zeugnis von älteren Paaren, die schon eine Weile gemeinsam unterwegs sind. Zu dominant ist heutzutage der Eindruck, Liebe sei nur am Anfang aufregend und schön, dabei sind die wahren Profis der Liebe diejenigen Paare, die schon lange verheiratet sind und deren Liebe durch gute und schlechte Zeiten hindurch immer tiefer und schöner geworden ist. Junge Menschen sehnen sich so sehr nach dem Großen, nach einer Vision, die einen gemeinsam durchs Leben trägt. Die Kirche hat eine Antwort auf diese Sehnsucht, macht was draus.“
Wenn wir uns fragen, wer eigentlich hinter diesem Ideal und hinter dieser Sehnsucht nach der großen Liebe steckt, wenn wir unsicher sind, ob es eine Partnerschaft nach den Schmetterlingen gibt, dann müssen wir den fragen, der Mann und Frau erschaffen hat und auch die Hormone, damit wir uns überhaupt verlieben können, der auch die Ehe gestiftet hat und der uns helfen kann, zu unterscheiden zwischen dem Rauschzustand der Verliebtheit und der reifen Liebe, die bis ans Lebensende dauern kann.
Im Buch des Predigers im Alten Testament heißt es in Kapitel 4,12:
Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen, und eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei.
Wenn Sie verheiratet sind oder in einer Partnerschaft leben, dann wünsche ich Ihnen diese Widerstandskraft der Beziehung und noch mehr diese „dreifache Schnur“. Den Dritten in Ihrem Bunde. Das können Weggefährten sein, die Sie und Ihren Partner begleiten. Aber vor allem will es Gott selbst sein, der die Liebe selbst ist und in Ihrer Mitte sein will.


Herzliche Grüße,
Carsten Buhr